Der Software-Konzern Microsoft will offenbar gegen den neuen CD-Kopierschutz des Major Labels Sony BMG vorgehen. Wie ein Konzernsprecher gegenüber dem US-Fachmagazin 'eWeek' sagte, sei man besorgt über die Entwicklung und prüfe weitere Schritte. Das DRM-Tool XPC1 sollte die Zahl der Kopien von CDs begrenzen und die Datenträger beim Brennvorgang automatisch mit Kopierschutzfunktionen versehen. Sicherheitsexperten berichteten jedoch, dass die Software die Sicherheit von Rechnern beeinträchtig.
Zuletzt entdeckten Spezialisten von Computer Associates, dass XPC1 auch IP-Adressen und Titel der abgespielten CD an den Musikkonzern weiterleitet. MP3-Importe ungeschützter CDs wurden außerdem mit Störsignalen versehen.
Die Sicherheit der Nutzerdaten habe "oberste Priorität" heißt es in einer Stellungnahme von Microsoft. Wie auch verschiedene Anbieter von Anti-Viren-Software erwägt der Konzern, ein Tool zur Entfernung von XPC1 zur Verfügung zu stellen. Eine endgültige Entscheidung gebe es jedoch noch nicht, hieß es.
Sony BMG zeigte sich trotz massiver Proteste bisher nicht bereit, den Kopierschutz vom Markt zu nehmen. Stattdessen kündigte das Unternehmen an, XPC1 im kommenden Jahr auch in Europa einzusetzen.
Verbraucherverbände aus dem US-Bundesstaat Kalifornien wollen das Major Label per Gerichtsbeschluss stoppen. Eine Sammelklage wurde in der vergangenen Woche eingereicht. Sony BMG habe die Nutzer nicht über die Natur des neuen DRM-Systems informiert und tausende Rechner ohne Wissen der Anwender infiziert, so der Vorwurf. Der Richter soll dies mit einem Vertriebsverbot ahnden.