PayPal, der weltgrößte Anbieter von Online-Zahlungssystemen, expandiert nach Europa. Das Unternehmen hat vor kurzem eine entsprechende Lizenz in Großbritannien erworben, um elektronische Zahlungssysteme anbieten zu können. Mit der Lizenzerteilung auf den britischen Inseln ist der Weg für die eBay-Tochter auf die EU-Märkte geebnet. Der Markteintritt in Europa gilt als Kampfansage an etablierte Zahlungs-Provider wie paybox in Deutschland und Mobipay in Spanien, berichtet das Wall Street Journal.
PayPal wurde 1998 gegründet. Das Unternehmen betreut derzeit eine kleine Gruppe von Kunden in Europa, verfügt aber weltweit über insgesamt 40 Mio. User. Das macht das Unternehmen laut einer Erhebung der britischen Electronic Money Association zum weltweit größten Anbieter von Online-Zahlungssystemen. Im Sommer vor zwei Jahren wurde PayPal vom Online-Auktionshaus eBay um 1,5 Mrd. Dollar übernommen. PayPal ist auch das auf der Auktionsseite am meisten angewendete Zahlungsverfahren - bei rund 90 Prozent der Angebote wird das Billing über dieses System angeboten. Bei allen Überweisungen verdient PayPal zwischen zwei und 3,4 Prozent an Gebühren und kam so im Vorjahr auf einen Umsatz von 436 Mio. Dollar. Gewinnzahlen hat das Unternehmen nicht veröffentlicht.
Durch die Lizenz in Großbritannien zur "Ausgabe von elektronischem Geld" darf PayPal seine Dienste automatisch in allen anderen EU-Mitgliedsländern anbieten. Dass sich das Unternehmen um eine britische Lizenz bemüht hat, wird von Beobachtern als kluger Schachzug gesehen. Dadurch erspart sich PayPal im Gegensatz zu anderen Ländern separate Lizenzen, um etwa Einlagen anzunehmen. Von Konkurrenten aus dem Bankbereich wird dies als unfairer Wettbewerbsvorteil gesehen, da PayPal als "Nichtbank" Dienstleistungen wie eine Bank anbieten könne.
Generell ist der Markt für Online-Zahlungsverkehr in Europa entwicklungsfähig. Während die Branche nach Erhebungen von Datamonitor in den USA auf einen Umsatz von 109,4 Mrd. Dollar kommt, werden in Großbritannien, dem größten Markt in Europa, weniger als 20 Prozent davon erzielt. Alles in allem ist der Online-Payment-Markt in den fünf größten europäischen Märkten Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien rund 47,1 Mrd. Dollar schwer. (
pte)