Die Computer in Deutschlands Amtsstuben werden verstärkt mit dem offenen Betriebssystem Linux ausgestattet. Der Schritt richtet sich unter anderem gegen den US-Softwarekonzern Microsoft, der seine Kunden zunehmend in Abo-Verträge drängt.
Die Ministerien sollen durch die Umstellung besser gegen Angriffe von außen geschützt werden. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) unterzeichnete am Montag in Berlin einen entsprechenden Kooperationsvertrag mit dem Computerhersteller IBM. Bund, Länder und Kommunen könnten dadurch zu besonders günstigen Konditionen Software beziehen, die auf dem Betriebssystem Linux basiere, teilte das Innenministerium mit. IBM soll die Verwaltung mit Servern beliefern auf denen Linux - dessen Programm-Codes öffentlich sind und damit besser auf Sicherheitslücken überprüft werden können - vorinstalliert ist. Die vorinstallierte Linux-Software wird vom deutschen Anbieter SuSE bezogen.
Schily zufolge werden mit der Kooperation drei Ziele erfüllt: "Wir erhöhen die IT-Sicherheit durch die Vermeidung von Monokulturen; wir verringern die Abhängigkeiten von einzelnen Softwareanbietern, und wir sparen beim Kauf der Software und bei den laufenden Kosten." Linux steht Anwendern und Software-Programmierern kostenlos zur Verfügung und steht in Konkurrenz zum weltweit meistgenutzten Betriebssystem Windows von Microsoft, für das bezahlt werden muss. Mit dem Abbau von Windows-"Monokulturen" sollen Hacker-Angriffe auf die Systeme der Verwaltung erschwert und die Abhängigkeit von Microsoft gesenkt werden.
IBM hat in den vergangenen Jahren über eine Mrd. $ in das freie Betriebssystem investiert. Die Investitionen gelten als Angriff auf den weltweit führenden Softwarekonzern und sein Betriebssystem Windows. Ende Februar hatte sich auch der Bundestag für einen teilweisen der so genannten Open-Source-Software in die Büros der Abgeordneten und der Verwaltung entschieden. Ende Mai gaben dann eine Reihe von Linux-Anbietern bekannt, künftig ein gemeinsames Programmpaket, anbieten zu wollen. Damit soll die Software auch den Weg in die Unternehmen finden.
ftd.de