In der Debatte um die Abschaffung des Kopierschutzes ist Vorreiter EMI nun doch zurückgewichen und hat die Gespräche mit verschiedenen Online-Musikplattformen abgebrochen. Das britische Label und die Online-Musikplattformen Microsoft, Napster, Apple, Real Networks, Yahoo und Amazon konnten sich nicht über Kompensationszahlungen einigen, woraufhin EMI die Verhandlungen auf Eis gelegt hat. EMI hat von den Musikplattformen für das Risiko, das mit der Abschaffung von DRM-Systemen einhergeht, Kompensationszahlungen verlangt. Die Musikplattformen boten im Gegenzug eine Summe an, die unter dem Angebot von EMI lag und daher vom weltweit drittgrößten Plattenverlag abgelehnt wurde.
Sinkende CD-Verkaufszahlen sowie Online-Händler wie Apples iTunes-Store setzen die Musikverlage unter Druck ihre Strategien zu ändern. Apple forderte kürzlich die Plattenverlage auf, auf DRM zu verzichten, das die Verwendung der Musiktitel einschränkt. Die Verhandlungen sollen mit einigen der Plattformen vor zwei Wochen noch kurz vor einem Abschluss gestanden haben, wie es bei Bloomberg unter Berufung auf unternehmensnahe Quellen heißt. Ob die Abschaffung des Kopierschutzes Schwung in die Musikindustrie bringen oder ihr eher schaden zufügen werde, darüber scheiden sich die Geister, wie ein Vertreter aus der Branche, der nicht genannt werden möchte sagt. Zumindest die Independent-Labels sollen dem Konzept von DRM-freien MP3-Downloads positiv gegenüber stehen. Die Vermeidung der Inkompatibilität zwischen MP3-Playern und Download-Titeln wäre im Sinne der Kunden und wird daher von Musik-Plattformen, wie Amazon vorangetrieben.
Der Boom bei legalen Musikdownloads hält in Deutschland indes weiter an. Im vergangenen Jahr kletterte die Anzahl von heruntergeladenen Einzeltiteln und Alben auf 26 Mio., der Umsatz stieg auf 48 Mio. Euro, so eine Erhebung des Marktforschungsunternehmens GfK im Auftrag des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM). Damit ist der Markt gegenüber 2005 um rund ein Drittel gewachsen. "Mit 60 Mio. Euro werden die Umsätze 2007 nun voraussichtlich erstmals die Marke von 50 Mio. Euro knacken", ist Hanno Harms, Vize-Präsident des BITKOM, überzeugt. Der BITKOM rechnet für dieses Jahr mit 33 Mio. herunter geladenen Musiktiteln und Alben. (
pte)