Wie der internationale Verband der Phonoindustrie (IFPI), in London mitteilte, muss die P2P-Tauschbörse Kazaa in Zukunft den illegalen Tausch von Musiktiteln auf ihrer Webseite unterbinden. Darüber hinaus hat sich Kazaa dazu verpflichtet eine "erhebliche Summe" an die geschädigten Plattenfirmen zu zahlen. Mit dieser außergerichtlichen Einigung konnte der jahrelange Streit zwischen der von Sharman Networks betriebenen Tauschbörse und den betroffenen Plattenfirmen beendet werden. Kazaa machte es für Million User weltweit möglich, Musik und Filme kostenlos aus dem Internet herunter zu laden und untereinander zu tauschen. "Wichtig ist, dass dieser Vergleich weltweite Bedeutung hat und ein langwieriges Verfahren damit abgeschlossen wurde", so Johann-Friedrich Brockdorff, Referatsleiter Wirtschaft beim Phonoverband Deutschland.
Kazaa werde in Zukunft spezielle Filter in sein System einbauen, die illegale Tauschaktivitäten verhindern und Urheberrechte schützen sollen. "Kazaa hat international den Diebstahl von urheberrechtlich geschützten Werken vorangetrieben", sagte John Kennedy, Chairman der IFPI. Damit entstand ein Schaden für die gesamte Musikindustrie. Die Einigung sei eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Die Musikindustrie gewinne einen neuen Geschäftspartner und die Kunden könnten neue Dienste von Musikplattformen erwarten. "Wir gehen davon aus, dass der Vergleich Auswirkungen auf die weltweite Internet-Piraterie haben wird, man muss jedoch die nächsten Monate abwarten und sehen, wie sich die Download-Zahlen entwickeln werden", erläutert Brockdorff. Der IFPI geht aber davon aus, dass der legale Download-Markt stärker wachsen wird und illegale Tauschbörsen zurückgehen. Wann die Verbreitung illegaler Downloads ein Ende hat oder zumindest weit zurück gedrängt werden kann, sei eine andere Frage, so Brockdorff.
Bereits vor einem Jahr wurde Kazaa in Australien offiziell für illegal erklärt und per Gerichtsurteil gezwungen seine Tauschbörse vom Netz zu nehmen. In den USA gingen große Plattenfirmen ebenfalls gesetzlich gegen die Betreiber vor. Sharman Networks verteidigte sich bislang damit, dass es nur die technische Plattform zur Verfügung gestellt habe, die Tauschaktivitäten aber ausschließlich von den Usern selbst betrieben wurden. Laut Schätzungen des IFPI lagen die illegalen Musikdownloads 2005 zahlenmäßig noch immer weit über den legalen. Rund 415 Mio. Songs sollen es allein im vergangenen Jahr weltweit gewesen sein. (
pte)